TOURISTISCHE ERLEBNISSE IM HERZEN SLAWONIENS In Đakovo stoßen Sie mit Messweinen an, genießen die Pralinen der Verwandtschaft Mozarts und erfreuen sich am märchenhaften Ball der Lipizzaner.
Đakovo ist die einzige Stadt Kroatiens, die sich des Besuchs zweier englischer Königinnen, zweier Päpste und der Mitglieder von Mozarts Familie rühmen kann. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt im Jahr 1239, blickt sie heute auf 785 Jahre geschriebener Geschichte zurück, die sich auf 111 Meter über dem Meeresspiegel, inmitten der slawonischen Ebene, entfaltet und von 23.000 Einwohnern weitergetragen wird. Gründe für einen Besuch gibt es im Überfluss – wir haben die Top 5 touristischen Erlebnisse ausgewählt.

1. Die Kathedrale – „die schönste bis Konstantinopel“
Ein Navigationssystem nicht nötig – aus allen Richtungen führen zwei 84 Meter hohe Türme zur Kathedrale des hl. Petrus. Der Auftraggeber ihres Baues, Bischof Strossmayer, positionierte sie 1866 gekonnt am sichtbarsten Ort der damaligen Kleinstadt am Rande der Monarchie. Der Bau dauerte 16 Jahre – heute ist sie eine der größten Kirchen Kroatiens. Papst Johannes XXIII. bezeichnete sie bei seinem Besuch 1927 als Kardinal Roncalli als „die schönste von Venedig bis Konstantinopel“, wovon sich 2003 auch Johannes Paul II. selbst überzeugte. Der Eintritt in dieses historistische Bauwerk – eine Mischung aus Romanik und Gotik – ist kostenlos. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich der moderne Verkaufsraum der Erzdiözese mit religiösen Gegenständen.
An die Kathedrale „lehnt“ sich der erzbischöfliche Palast – ein imposantes Barockgebäude aus dem 18. Jahrhundert. Darunter liegt ein alter Weinkeller mit Mess- und Spitzenweinen der Erzdiözese Đakovo-Osijek sowie eine gut bestückte Vinothek. Gleich daneben befindet sich der Strossmayer-Park, in dem im September das gewerbliche Bierbrauen beim Đakovo Craft Beer Festival gefeiert wird – in entspannter Atmosphäre natürlich. Kathedrale, Palast und Park – zusammen mit dem Priesterseminar und historischen Gebäuden – säumen den zentralen Platz, an den sich die Altstadt anschließt, größtenteils im Stil des Historismus.

2. Das Gestüt – Adel mit Mähne
Doch kehren wir zurück zum Hauptplatz und gehen wir die Gupčeva-Straße entlang, die zum Lipizzanergestüt führt, dort befindet sich der Sitz des staatlichen Gestütes Đakovo und Lipik. Gegründet 1506, gehört es zu den ältesten in Europa, die Zucht der Lipizzaner begann hier im 19. Jahrhundert. Dieser Adel mit Mähne machte Đakovo weltberühmt – durch Pferdesport, Dressur, genetisches Zuchtmaterial. Das Gestüt wirkt an zwei Standorten: in dem Gestüt in der Stadt (Hengststall) und im Gestüt Ivandvor, das heute noch die Urpsrünglichkeit der Anfängen von Ivandvor aus 1912 anbietet. Hier lebt die Mutterherde mit den Fohlen, die Hengste sind im Hengststall in der Stadt, hier befindet sich die geschlossene Reithalle mit Souveniershop und ein Caffe mit Ausblick auf die Reithalle, in welcher schon seit einem Jahrzehnt der Weihnnachtsball der Lipizzaner stattfindet. Das Gestüt besitzt 170 Pferde, im Jahr 2023 hatte es 18.000 Besucher. Im Jahr 1972 bewunderte Königin Elisabeth II. die edlen Tiere, 2016 tat das Camilla, die damalige Herzogin von Cornwall, heute Königin.

3. Vezovi – eine Freilichtbühne
Die Lipizzaner sind auch ein unumgänglicher Teil der Đakovački vezovi – der größten Veranstaltung der Traditionskultur bei uns, die seit 1967 die Stadt von Ende Juni bis Anfang Juli in eine große Freilichtbühne verwandelt. Dutzende von Folkloregruppen aus aller Welt strömen nach Đakovo, insbesondere zum feierlichen Umzug. Beim Klang der Tamburizza, beim Reiz der Düfte der traditionellen Speisen für die Nasen der Gäste werden die schönsten Trachten gewählt, Hochzeitskutschen geschmückt und durch die Stadtmitte gefahren, Konzerte, Ausstellungen, literarischen Treffen veranstaltet… An die „Vezovi“ werden Sie handgefertigte Keramik by Đakovo, andere Handarbeiten und kulinarische Spezialitäten erinnern. In und um Đakovo gibt es mittlerweile 61 Unterkunften mit insgesamt 528 Betten – für jeden Geschmack und Geldbeutel: Hotels, Wohnungen, Ferienhäuser, Pensione, Zimmer mit Pool und weiteren Annehmlichkeiten.

4. Das Weinanbaugebiet – vom Rebstock bis zur Verkostung
Zahlreiche neue Unterkünfte entstehen immer öfter auch in ländlichen Gebieten, in die unberührte Natur getaucht– bieten Flachland sowie hügelige Landschaft und an den Hängen der Hügel Dilj und Krndija ein bewaldetes Slawonien an. Hier ist auch die Friedlichkeit des Sees Borovik, wo Sie im dortigen Restaurant Erfrischung und Erholung suchen, im Sommer feuern Sie die Teilnehmer der Bootsrennen oder die Sportangler an. Die Umgebung von Đakovo (Đakovština) ist auch Ihre richtige Wahl, wenn sie Jäger sind – Mačkovac und andere Jagdgebiete sind Bestimmungsorte des Jagdtourismus mit Unterkunft in mehreren luxuriösen Jagdhütten. Als Krönung des Ganzen befindet sich hier auch eine Vielfalt der Spitzentropfen des Đakovoer Weingebietes, in den Weingärten von Trnava und Mandićevac, in beiden Ortschaften befinden sich auch Weinkeller. Graševina, Traminer, Chardonnay, Cabernet Sauvignon – das ist nur ein Bruchteil der Auswahl dieses Weingebietes, hergestellt von den fleißigen Händen zahlreicher Winzer, Weinbauer und Kellermeister. Aufgrund dieser Tradition gründen die jungen Generationen landwirtschaftliche Familienbetriebe, Verkostungsräume und andere Inhalte mit önologischem und gastronomischem Angebot. Die Geschichte des Weines erzählen auch die Weinstraßen Zlatarevac und Mandićevac, gefördert wird sie auch von den Tagen der offenen Weinkellertüren des Đakovoer Weingebietes, aus welchen dann nicht nur Spitzenweine sondern auch Spitzengastronomie, vorzügliche Konzerte, alles im Rahmen der Bonavita von Trnava, kommen.
Auch diese Geschichte des Weines geht nicht ohne die Bischöfe von Đakovo, die in Trnava und später in Mandićevac die ersten Weingärten anlegten. Strossmayer ließ 1870 in Trnava den ersten Weinkeller bauen, auf diesen Grundlagen ließ die Erzdiözese ein Weingut aufbauen. Heute gehören die Đakovoer Messweine Chardonnay und insbesondere der Traminer zu den meistgeschätzten slawonischen Weinen. Die erzbischöflichen Weingärten erstrecken sich auf ungefähr 30 Hektar, darin werden jährlich 150.000–180.000 Liter ausschließlich Spitzenweine erzeugt, - Traminer, Graševina, Chardonnay und Cabernet Sauvignon. Alles wird von dem Unternehmen der Erzdiözese „Misna vina“ verwaltet, ausschließlich zur Produktion von Spitzenweinen, die aus Trnava und Mandićevac wieder in den Weinkelelr des erzbischöflichen Palastes im Zentrum von Đakovo kommen.

5. Ljelje - Umzug der Königinnen zu Pfingsten
Nach den süßen Bissen setzen Sie Ihren Rundgang durch die Đakovoer Umgebung mit der Tradition fort, welche 2009 auch die UNESCO anerkannte, in Gorjani bei dem Flühlingsumzug der Königinnen, oder der Ljelja, der zu Pfingsten (im Mai/Juni) stattfindet. Sie wurden als immaterielles Kulturgut der Menschheit geschützt. Laut örtlicher Legende nahmen die osmanische Eroberer alle Männer des Dorfes gefangen und die Frauen des Dorfes zogen bunte Kleidung an, setzten Männerhüte auf den Kopf, in die Hände nahmen sie Sichel und Sensen und rannten geräuschvoll zu dem osmanische Lager. Die Osmanen erschraken vor ihnen, weil sie dachten es wären Geister, rannten weg und die Frauen befreiten die Männer des Dorfes. Schon auf den ersten Blick werden Sie von der Originalität der Kleidung, des Schmuckes, der Haltung, von dem Gesang und dem Tanz der Ljelas begeistert sein. Wo immer sie erscheinen erwecken sie Respekt und Bewunderung.
Diese Stadt prägten auch Mozarts Schwager und Schwägerin, die Schwester seiner Ehefrau und ihr Ehemann – Sophia und J.P.Jakob Haibel, Komponist, die von 1806 bis 1826 hier lebten. Nach Đakovo kam er auf Einladung des Bischofes Antun Mandić und wurde zum regens chori ernannt, er komponierte hier 16 Messen, während Sophias Brief aus Đakovo über die letzten Tage von Mozart für das authentischste Zeugnis dazu gehalten wird. Zu Ehren des Lebens und Wirkens der Mozartschen Verwandtschaft in Đakovo entstanden die „Haibel-Pralinen“ und „Sophias Herzen“, noch ein Grund dazu, vor dem Toast mit Messweinen den Gaumen zu versüßen. Entwickelt wurden sie von der Berufsschule Antun Horvat in Zusammenarbeit von Schülern und Lehrern der Kochberufe.