ZU BESUCH BEI DANIEL ASZTALOS, TÖPFER UND KERAMIKER Meine Töpfe können Gerenationen überdauern
Daniel Asztalos fertigt Gebrauchskeramik an und organisiert Töpfer-Workshops. In seiner Galerie in der Mühle bietet er den Besuchern seit Kurzem auch Getränke an – im großen Park mit See kann man die Natur in vollen Zügen genießen.
Wäre an der alten lateinischen Weisheit „nomen est omen“ etwas dran, wäre Daniel Asztalos wohl Tischler geworden – sein Nachname bedeutet nämlich genau das auf Ungarisch. Hätte er dem Wunsch seines Vaters nachgegeben, wäre er Tierarzt geworden – diese Rolle übernahm jedoch seine Schwester. Er selbst entschied sich statt der Fauna für die Flora und ging nach Zagreb, Forstwirtschaftsstudium zu studieren. Doch das Schicksal hatte andere Pläne mit ihm – und zwar in Form einer Töpferscheibe, von der sich der angehende Forstwirt nicht mehr trennen konnte, nachdem er sie bei einem begnadeten Töpfer in Ungarn entdeckt hatte.
Ohne Tourismus geht es nicht
Fragt man Bekannte und Freunde, was ihnen beim Begriff „Töpferscheibe“ als Erstes einfällt, antworten einige: „Daniel Asztalos“, andere: „Der Film Ghost – Nachricht von Sam“. Doch in Daniels Geschichte stirbt niemand, Geister gibt es keine, auch Demi Moore ist nicht da – dafür ist hier eine noch schönere Frau: seine Ehefrau Sandra, seine Seelenverwandte und unentbehrliche Partnerin in allen gemeinsamen beruflichen und Familienprojekten.
Sie empfangen mich in ihrem Familienhaus in Beli Manastir, im Garten befindet sich Daniels Keramikwerkstatt. Das Haus steht in einer Straße, die unter den Bewohnern von Beli Manastir als „Direktorenstraße“ oder gar „Millionärsstraße“ bekannt war – so wurde sie zur Zeit von Jugoslawien benannt, denn dort rollten morgens brummend schwarze Mercedes-Limousinen an und holten sozialistische Funktionäre und Direktoren ab. Die Asztalos-Familie gehört jedoch zu den Urbewohnern – Daniels Großvater wohnte ganz in der Nähe, und die Schule war so nahe, dass Daniel zum Pausenbrot nach Hause laufen konnte.

Während ich seine Mühlengalerie im baranjaer Dorf Suza (Maršala Tita 96) schon oft besucht habe, war ich in diesem Herbst zum ersten Male in der Werkstatt in Beli Manastir. Dort ist Daniel ganz in seinem Element – oder, wie man sagt: „in seinem Film“.
„Mir war von Anfang an klar, dass ich nur dann überleben kann, wenn ich mich in das touristische Angebot einfüge. Die Werkstatt in Beli Manastir war dafür nicht geeignet, doch dann bot sich mir die Gelegenheit, die alte Mühle in Suza zu kaufen. Ich verwirklichte meine Idee: eine Galerie, eine Werkstatt, in der Touristen ihr eigenes Souvenir anfertigen können – und schließlich eröffneten wir in diesem Frühjahr auch eine Verkostungsecke. Rund um die Mühle gibt es einen großen, gepflegten Park (über ein Hektar!) und einen See, wo die Gäste entspannen und etwas trinken können. Der gastronomische Teil hat uns gefehlt – viele Gäste fragten, ob sie ein Getränk bekommen könnten. Deshalb gibt es jetzt, von Freitag bis Sonntag, bei schönem Wetter Getränke – ausschließlich im Freien. Und weil ich die Getränke in meiner selbstgefertigten Keramik serviere, sagen viele: ‚Oh, wie schön – so eine Tasse würde ich gerne kaufen!‘ Das unterstützt natürlich mein Keramikgeschäft“, erzählt Asztalos.
Er organisiert Vorführungen und Workshops, in denen Interessierte selbst Keramik herstellen können. Das, was sie schaffen, brennt er – was die genaue Benenung des Verfahrens ist, das üblicherweise „backen“ genannt wird, anschließend und lässt es ihnen zukommen. Viele kehren zurück zu natürlichen Materialien und meiden immer häufiger Plastik – als Reisesouvenir wählen sie am liebsten etwas, was sie auf schönste Weise an eine Reise erinnert und immer wieder damit verbundene Gefühle weckt.
Bekannt ist Daniel vor allem für seine Gebrauchskeramik. Er selbst nennt sich Keramiker, betont aber schmunzelnd, dass er nicht derjenige ist, der in Badezimmern und Küchen Fliesen verlegt, obwohl ihn hie und da Leute anrufen, die nachfragen „wieviel das Fliesenlegen pro Quadrat koste“. Keramiker oder Töpfer, wie auch immer – Daniel ist vor allem Künstler, obwohl er hochwertige und schöne Gebrauchsgegenstände fertigt, welche meistes zur Zubereitung oder zum Servieren von Speisen und Getränken dienen.
Auch wir zwei trinken, wie erwartet, türkischen Kaffee aus Daniels handgefertigten Tassen, umgeben von Töpfen in verschiedenen Stadien der Fertigstellung und einer wunderbaren Sammlung schon fertiger Kaffee- und Teetassen. In der Werkstatt ist es angenehm warm, denn hier befindet sich auch der Brennofen, welcher bis zu 1260 °C erreicht, bei denen dieser weitbekannte Keramiker-Töpfer seine Töpfe, Deckel und sonstige Töferware brennt. Während er früher, vor 20 Jahren, den Käufern, die seine Töpfe kauften, am liebsten das Geld zurückgegeben hätte, sagt er selbstkritisch, ist er heute sicher: verwendet man seine Keramik richtig, werden die Töpfe mit der Inschrift Asztalos mehrere Generationen einer Familie überdauern.

Der beliebteste ist sein Bohnentopf, in welchem traditionell über offenem Feuer gekocht wird (genauer: „neben dem Feuer“), doch in seinen Töpfen kann man auch im Backofen, auf dem Herd oder auf modernen Kochplatten kochen, wie beliebt.
Von Schlamm zur Kunst
Für seine Keramik verwendet Daniel eine besondere, feuerfeste Tonerde mit außergewöhnlichen Eigenschaften, die er aus Deutschland bezieht. Nachdem das Gefäß geformt ist, wird es einige Tage getrocknet und dann zum ersten Mal gebrannt. Nach dem ersten Brennen wird die Glasur aufgetragen, innen obligatorisch, außen nach Wunsch. Die Glasur hat eine dekorative und schützende Funktion (sie ermöglicht das Spülen des Geschirrs, Verm.des A.) und sie wird ebenfalls aus Deutschland bezogen, ist für sicheren Gebrauch deklariert auf dem Geschirr, das zur Zubereitung und Aufbewahrung von Spiesen mit Lebensmittelsicherheit dient. Nach dem Glasieren kommt das Gefäβ zum zweiten Mal in den Ofen.
Manche Stücke ähneln sich ein wenig, wie eine Schwester dem Schwesterchen, und doch sind sie alle verschieden. Der Preis entspricht ihrer Qualität, Einzigartigkeit und der Tatsache, dass sie von Hand gemacht wurden. Und das Wichtigste von allem: sie tragen die Unterschrift eines Mannes, der zwar mit Lehm arbeitet, aber sein Ansehen niemals beschmutzte.
Kontakt
e-mail asztalos.keramika@gmail.com
Tel. 385(0)98 9455 990
Text: Ivana Rab Guljaš