DIE DRAU – OSIJEKS BLUTKREISLAUF Flussspiegel, Sandleinwände, stellen des Glücks… Veröffentlicht 21/06/2024

DIE DRAU – OSIJEKS BLUTKREISLAUF Flussspiegel, Sandleinwände, stellen des Glücks…

Würde man mich als Einheimische fragen, wo meine glückliche Stelle in Osijek sei, würde ich antworten: der Sandstrand an der Drau neben dem Ruderklub Copacabana. Fahrrad, Handtuch, Badeanzug, die Drau und die beste Clique der Welt – das sind die einfachen Zutaten für das beste Rezept für unbeschwerte Sommerferien.

Selbständig zum Baden gehen war (und ist) eine Art Initiation ins Erwachsenenleben (oder zumindest ins dessen Wartezimmer) – ein Symbol der Emanzipation von den Eltern. Meine Eltern liebten die Drau, wie so viele Osijeker Generationen vor und nach ihnen.

„Was ist das überhaupt für ein Sommer ohne Schwimmen, Picigin, Bootfahren, Angeln und Draufisch auf dem Speiseplan? Schwimmen habe ich in der Drau gelernt – mein Vater hat nichts anderes gelten lassen“, erzählt Prof. Višnja Tavas, die auch im Ruhestand kein Bad auslässt – von Spätfrühling bis Oktober.

Von Garnika bis Kopika, wie uns Museumsunterlagen und deren Kenner, der leitende Kurator Grgur Marko Ivanković, zeigen, waren Draubäder wie Pampas und Želja bei Einheimischen ebenso beliebt wie bei ihren Gästen.

Die Drau ist der Blutkreislauf Osijeks, sie lässt das Herz dieser Stadt jugendlich schlagen. Auf der rechten Uferseite, die sich bald mit der längsten Flusspromenade Europas rühmen wird, liegt das urbane Osijek – mitteleuropäisch, zivilisiert, freundlich. Doch wenn man eine der Brücken überquert und am linken Ufer ankommt, wechselt die Perspektive: ein Hauch von Robinson-Gefühl kommt auf.

Setzt man sich zum Fuß der Beach Bars, schützt die Augen mit der Hand vor der Sonne, erscheint die STADT – spiegelt sich in ihrem Wasserbild, sich ihrer Anziehungskraft bewusst, jedoch ohne jegliche Arroganz. Man seufzt leise und denkt: Wie gut hat Branko Mihaljević das besungen in den zeitlosen Versen: „Mein Osijek ist voller Sonne, an der Drau, ruhig und still…“

Doch die Drau kann auch laut, verspielt und großzügig sein, wenn es um Unterhaltung geht – darum sollte der Gast darauf aufmerksam gemacht werden, damit er ihre Reize nicht verpasst. Man muss aber vorsichtig sein, denn der Fluss kann auch launisch werden. Vielleicht ist das „rinovanje“ (sich flussabwärts treiben lassen) nur etwas für die Einheimischen, doch alle anderen Genüsse hängen nicht vom Geburtsort ab.

Von Flusskreuzfahrtschiffen, die in den letzten Jahren in Osijek vor Anker gehen, über die gemütliche „Kompa“ (Flussfähre), die Seilfähre zur Zooinsel, bis hin zu Motorbooten und traditionellen Čikl-Holzbooten, aus denen man fischen und „einen Fang machen“ kann – das Bootfahren ist ein echtes Osijeker Erlebnis.

Wer keinen Gastgeber mit eigenem Boot hat, kann eine touristische Bootsfahrt mit unterschiedlicher Dauer buchen, angeboten von „Old Town Izleti“ - igor.zivkovic11@gmail.com; https://www.facebook.com/Oldtownizleti; tel. 00385 99 756 93 60 und der Firma „Gusar“ - gusar.jdoo@gmail.com; www.facebook.com/gusarjdoo; tel. 00385 95 526 9869.

Zum Abschluss dieser kleinen Ode an die Drau sei daran erinnert, dass der berühmte National Geographic in einer Folge der Serie Europa von oben die faszinierenden Kunstwerke des Bildhauers Nikola Faller auf den Sandbänken der Drau zeigte.

Hinterlassen auch Sie Ihre Spuren im Sand, damit Sie wissen, wie Sie nach Osijek zurückfinden…

Text: Ivana Rab Guljaš


DravaOsijek