ERBEN (AUS) EDLER/N REBEN Im Schoße der Weinmutter Baranja
Umgeben von Liebe, Tradition, Wissen und Fleiß verwandelt sich Wein vom Getränk zum Erlebnis – und zu einem der Hauptsymbole der Baranja.
Baranja, eine magische Ecke im äußersten Nordosten Kroatiens, verdankt ihre Besonderheit vor allem dem Wein. Viele behaupten sogar, sie habe ihren Namen dem Wein zu verdanken, denn auf Ungarisch bedeutet bor Wein, und anya Mutter. Wie dem auch sei, Baranja ist nicht dem Wein verfallen, sondern mit ihm verschmolzen – und hat ihre Bewohner zu Erben (aus) edler/n Reben gemacht, ganz wie Adelige mit Rebstock und Traube im Familienwappen.

Segeln auf dem Weinmeer
Stechen wir zunächst auf ein Meer aus Weinreben hinaus. Nur eine halbe Stunde Fahrt von Osijek entfernt liegt die wellige Erhebung namens Bansko brdo. Schon römische Legionäre durchquerten dieses Gebiet und nannten es Mons Aureus (Goldener Berg). Heute befindet sich hier ein riesiger Weinberg des landwirtschaftlichen Giganten „Belje“, durchzogen von einer fast acht Kilometer langen Weinstraße. Beim Spaziergang grüßen uns zukünftige Graševina-, Pinot-, Traminer- und Chardonnays. Vom Aussichtspunkt genießt man den Duft von Millionen Rebstöcken und den Ausblick auf die endlose Pannonische Tiefebene!

Da Weinberge meistens in Gesellschaft besucht werden, findet sich immer jemand, der in die Ferne blickende romantische Seelen auf praktischen Fragen lenkt. Klar ist, dass es bei Belje an solchen nicht mangelt. Direkt auf dem Bansko brdo steht ein modernes Weingut mit über 10.000 m² Fläche. Im nahegelegenen Ort Kneževi Vinogradi, dem Herzen des baranjer Weinbaus, befindet sich der größte und älteste historische Weinkeller Kroatiens. Lokal bekannt als „alter Belje-Keller“, feiert dieses Weingut im Jahr 2026 sein 500-jähriges Jubiläum! In mehreren kühlen Etagen reifen hier Weine in Fässern aus slawonischer Eiche oder lagern in Flaschen.
Jede volle Stunde zwischen 9 und 15 Uhr werden Führungen angeboten – inklusive Verkostung von Weiß- oder Rotwein. Man munkelt, sogar Prinz Eugen von Savoyen selbst sei dort schon erschienen – nach ihm werden die Weine von Belje auch „Prinz von der Donau/Princ sa Dunava“ benannt.

Vinarium Borarium
Die lockere, so „passend“ berauschende Ausbildung wird im nahen Zmajevac fortgesetzt, wo sich auch die Sammlung Vinarium Borarium verbirgt. Diese kleine, aber beeindruckende Erbgeschichte ist geschütztes Kulturerbe Kroatiens und stellt uns die Wein- und Gewerbefertigkeit einer typischen Fass- und Weinbaufamilie aus der Baranja vor. Die Sammlung betreut der Winzer Šandor Juhas, der, natürlich, neben seinem lebendigen und gesunden Weingarten keine Zeit hat, den ganzen Tag im Museum zu sitzen. Daher empfehlen wir, Ihren Besuch anzumelden.
Weiter geht’s also zur Erforschung von Zmajevac. Wahrscheinlich stößt man dabei auf einen der Surduks – schluchtenartigen Wegen, eingeschnitten in die Lösshänge des Bansko brdo. Die bekannteste Surduks von Zmajevac sind der Reformierte und der Katholische, logisch, denn ihnen zu Fuße stehen die reformierte und die katholische Kirche. Doch etwas Anderes macht den Spaziergang durch die Surduks wahrhaftig besonders - die Gators. Es geht um Weinkeller, die in den Berg Bansko brdo eingegraben sind, typisch für Baranja und ausnehmend wichtig für ihre traditionelle Weinproduktion (ganzjährige ständige Temperatur von 12-15 Grad). Von außen Hobbit-Häusern ähnlich, beginnen sie, sobald Sie die Schwelle übertreten, an ein Wein-Narnien zu erinnern. Gleichzeitig können Sie beruhigt sein – hier gibt es keine bösen Hexen, obwohl Sie auf die Legende über die berüchtigte Rote Marta (wörös Márta) stoßen könnten, nach welcher das Dorf auch seinen ursprünglichen Namen Vörösmart erhielt.

Lassen wir die Geschichten und kehren wir zur unnachahmlichen Stimmung der zmajevacer Gators zurück. Viele von ihnen wurden in den letzten 15 Jahren in vorzügliche Familienweinkeller umgestaltet (Gerštmajer, Kusić, Kalazić, Zajec, Zlatno brdo, Josić u.a.). Im Rahmen des erwähnten Weinkellers Josić wirkt sogar ein renommiertes Restaurant, vor welchem regelmäßig zwei bis drei Kessel Fischpaprikasch brodeln. Neben Weinkellern und Restaurants bietet der Ort auch einige hochwertige Ferienhäuser an.

Obwohl vielleicht der bekannteste ist Zmajevac nicht der einzige Ort mit tief eingewurzelter Tradition des Familienweinbaus. Hervorragende Winzer befinden sich auch im Nachbardorf Suza. Viele denken beim Erwähnen dieses Ortes z.B. zuerst an die Weingüter Pinkert und Kolar. Hier ist auch das Weingut Kovacs, während das „Familiensilber“ des baranjer Weinbaus auch Svijetli dvori und Szabó aus Karanac, Horvat aus Kamenac und eine Reihe anderer Orte bilden, an welchen, umfangen von Liebe, Tradition, Wissen und Fleiß, der Wein von einem Getränk zum Erlebnis und einem der Hauptsymbole von Baranja verwandelt wird. Kein Wunder also, dass auch einige der beliebtesten touristischen Veranstaltungen mit dem Wein verbunden sind.
So ist der „Weinmarathon“ in Zmajevac im September ein Muss, während die Sommer- und Winterausgabe der Veranstaltung „Baranja Wine and Walk“ unter Weinliebhabern immer beliebter wird.

Personen
Prinz Eugen von Savoyen
Österreichischer Feldherr, bekannt für seine Siege über die Türken. Er ließ in Bilje ein Jagdschloss errichten. Held des Romans „OSvojski“ von Jasna Horvat.
Die Rote Marta
So schön wie grausam – wegen ihrer Unbarmherzigkeit wurde sie mit einem Drachen verglichen. Ihre Leibeigenen arbeiteten für einen Groschen, unter Schlägen und Peitschenhieben.
Kleines Wörterbuch
Bor – ungarisch für Wein
Surduk – schluchtenartiger Weg eingegraben in den Lösshang
Gator – in den Berg gegrabener Weinkeller
Text: Veronika Završki